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Digitaltage am Traberweg

vor 1 Tag
4 Min. Lesezeit

Wie viel Bildschirmzeit ist eigentlich noch okay? Was mache ich, wenn mir im Internet etwas Angst macht? Kann ich einem Bild glauben, das täuschend echt aussieht? Fragen wie diese beschäftigen nicht nur Eltern und Lehrkräfte, sondern auch unsere Kinder. Vom 6. bis 8. Oktober stand deshalb an der Grundschule Traberweg das Thema Medienkompetenz im Mittelpunkt: Medientrainer Simon Mayr war zu Gast, arbeitete in Workshops mit allen 3. und 4. Klassen und führte eine eigene Session mit den Lehrkräften sowie einen Eltern-Infoabend durch.

 

Initiiert wurde das Medientraining von unserer Elterninitiative „Medienstarke Traberkids“. Möglich gemacht hat es der Förderverein TraberKids e.V., der die Kosten übernommen hat. Dafür ein dickes Dankeschön!


>>> HIER gibt es die Präsentation zum Nachlesen:

 

Reden, ohne den Zeigefinger zu heben

 

Wer mit Kindern über ihre Mediennutzung sprechen möchte, merkt schnell: Mit einem Vortrag darüber, was alles gefährlich, verboten oder „nicht gut für dich“ ist, kommt man nicht besonders weit.

 

Genau deshalb setzt Simon Mayr in seinen Workshops auf einen anderen Ansatz. Er schafft einen geschützten, vertrauensvollen Raum und spricht mit den Kindern auf Augenhöhe. Die Dritt- und Viertklässler:innen können erzählen, welche Medien sie nutzen und was ihnen daran Spaß macht. Aber eben auch, was sie schon gesehen oder erlebt haben und vielleicht nicht so leicht einordnen können.

 

Das Konzept dahinter ist bewusst praktisch: Gemeinsam mit den Kindern wird ihr Medienverhalten reflektiert, anschließend bekommen sie konkrete Tipps für einen sicheren Umgang mit Internet, Smartphone, Games, KI und Datenschutz.

 

Dabei geht es immer auch um Kinderrechte und darum, den Kindern zu vermitteln: Du darfst Grenzen haben. Du darfst „Nein“ sagen. Du darfst dir Hilfe holen. Und wenn dir online etwas begegnet, das dir Angst macht oder komisch vorkommt, musst du damit nicht allein bleiben.

 

KI, Fake-Bilder und die Frage: Ist das wirklich echt?

 

Auch künstliche Intelligenz spielt inzwischen im Medienalltag von Kindern eine Rolle. Manchmal, ohne dass sie überhaupt wissen, dass sie ihr gerade begegnen. Wie erkenne ich möglicherweise manipulierte oder künstlich erzeugte Bilder? Warum sollte ich nicht alles glauben, was mir online gezeigt wird? Und was kann ich tun, wenn Inhalte besonders drastisch, beängstigend oder verstörend sind?

 

Statt den Kindern Angst vor der digitalen Welt zu machen, ging es im Training um hilfreiche Strategien: genauer hinsehen, hinterfragen, nicht sofort teilen, miteinander reden und sich Unterstützung holen.

 

Und ebenso wichtig: Medien sollen Spaß machen dürfen. Ein lustiges Video, ein gutes Game oder eine Lieblingsserie gehören für viele Kinder selbstverständlich zum Alltag. Gleichzeitig brauchen Kinder aber auch Erfahrungen außerhalb des Bildschirms: Bewegung, Freunde, Langeweile (ja, echt), Spielen, Kreativität … kurz gesagt eine gesunde Balance zwischen digitalem und echtem Leben.

 

Manche Antworten machen nachdenklich

 

Wie wichtig solche Gespräche schon in der Grundschule sind, wurde während der Workshops ziemlich deutlich. Denn wenn Kinder in einer vertrauensvollen Atmosphäre erzählen, wird sichtbar, was in ihrem Medienalltag tatsächlich schon eine Rolle spielt. Einige der anonymisiert weitergegebenen Eindrücke aus den Klassen waren durchaus beunruhigend: Hier und da gibt es bereits sehr lange Bildschirmzeiten, bei manchen Kindern darf das Handy nachts mit ins Bett und Begriffe oder Inhalte, von denen Erwachsene vielleicht hoffen würden, dass Grundschulkinder ihnen noch gar nicht begegnen, sind teilweise erstaunlich bekannt. Die sogenannten „Horrorclowns“ etwa kannten praktisch alle.

 

Das soll keine Panik auslösen. Aber es zeigt: Die digitale Lebenswelt beginnt nicht erst mit 13 oder 14 Jahren. Unsere Kinder sind schon mittendrin. Genau deshalb ist Medienkompetenz bereits in der Grundschule wichtig.


Kinder stärken heißt auch Erwachsene stärken

 

Kinder können einen gesunden Umgang mit Medien nicht allein lernen. Deshalb richtet sich das Medientraining ausdrücklich nicht nur an sie. Simon Mayr teilte seine Eindrücke aus den Workshops auch mit den Lehrkräften und Eltern (selbstverständlich wurden dabei aber keine einzelnen Kinder oder Familien benannt). Stattdessen ging es um ein Gesamtbild: Welche Plattformen und Inhalte nutzen und beschäftigen die Kinder? Wo entstehen Probleme? Und wie können Schule und Eltern sinnvoll reagieren?

 

Er teilte unter anderem konkrete Empfehlungen zu kindersicheren Einstellungen für Geräte und Apps (ja, auch die Anton-App braucht Optimierung), Anregungen für Gespräche mit ihren Kindern und Hinweise darauf, welche Veränderungen im Verhalten Frühwarnzeichen für eine problematische Mediennutzung sein können.

 

Der Elternpakt: immer mehr Familien machen mit

 

Was im Frühjahr noch mit einer ersten Pilotklasse begann, wächst weiter: Mittlerweile gibt es in allen Klassen am Traberweg Eltern, die sich ganz bewusst dazu entschließen, ihrem Kind mindestens bis zum Ende der Grundschulzeit kein eigenes Smartphone zu geben.

 

Der Elternpakt ist eine freiwillige Selbstverpflichtung. Die Idee dahinter: Wenn Familien sich zusammentun und gemeinsam länger mit dem ersten eigenen Smartphone warten, sinkt auch der Druck auf einzelne Kinder und Eltern, möglichst früh „mithalten“ zu müssen. Die Initiative verbindet dieses bewusste Aufschieben ausdrücklich mit einem zweiten wichtigen Baustein: Kinder sollen schon während der Grundschulzeit Digitalkompetenz entwickeln und lernen, sich sicher und selbstbestimmt in der digitalen Welt zu bewegen.

 

Es geht also nicht darum, die digitale Welt von unseren Kindern fernzuhalten. Sie ist ohnehin da. Es geht darum, sie nicht allein hineinzuschicken.

 

Und wie geht‘s weiter?

 

Die drei Tage Medientraining haben viele Gespräche angestoßen – bei den Kindern, im Kollegium und sicherlich auch in einigen Familien am Küchentisch. Genau das war das Ziel. Medienkompetenz ist natürlich kein Thema, das sich mit einem Workshop erledigt. Apps verändern sich, neue Trends tauchen auf, KI entwickelt sich rasant und unsere Kinder werden älter. Umso wichtiger ist es, miteinander im Gespräch zu bleiben, Erfahrungen ernst zu nehmen und immer wieder gemeinsam hinzuschauen.

 

Das Team von „Medienstarke Traberkids“ möchten diesen Austausch weiter voranbringen und Eltern, Kinder und Schule dabei unterstützen, einen guten und gesunden Umgang mit digitalen Medien zu finden. Wer neugierig geworden ist, Fragen hat oder einfach up to date bleiben möchte, ist herzlich eingeladen, in die gemeinsame WhatsApp-Gruppe der Elterninitiative hineinzuschauen (QR-Code hängt aus in der Aula).


Viele Fragen und noch mehr Antworten gab es beim Info-Elternabend am 6. Oktober
Viele Fragen und noch mehr Antworten gab es beim Info-Elternabend am 6. Oktober

 
 
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